Historischer Ortskern
Aufgabenstellung
Die Gemeinde Lindlar beabsichtigt, die öffentlichen Freiräume des historischen Ortskerns mit dem Ziel stadtklimatischer und gestalterischer Verbesserungen sowie kreislaufgerechter Bauweisen zu erneuern. Dies bedeutet im Einzelnen,
eine hohe Aufenthaltsqualität und attraktive Gestaltung zu realisieren, zur Stärkung des Profils Lindlars die ortsprägende Grauwacke zu verwenden;
den Anteil an Grünflächen zu erhöhen, neue Bäume zu pflanzen und bestehende zu erhalten sowie Flächen, wo möglich, zu entsiegeln und
die bestehenden Beläge und Ausstattungselemente wiederzuverwerten, nachhaltiges Baumaterial zu verwenden und neues Material reparaturfreundlich und wiederverwendbar einzubauen.
Das Projekt ist unter dem Titel „Zirkuläres Bauen und Klimawandelanpassung im öffentlichen Raum in Lindlar“ eines der Demonstrationsprojekte der Regionale 2025 Bergisches RheinLand.
Umgestaltungsbereich
Der Umgestaltungsbereich des Projekts umfasst die Straßen Hauptstraße, Kirchplatz, Eichenhofstraße, Kamper Straße und Friedhofstraße. Die Flächen umfassen zum überwiegenden Teil öffentliche Flächen. In den Randbereichen sind auch private Flächen eingeschlossen und sollen beplant und umgebaut werden. Dies ist notwendig, da die Umgestaltung aus den 80er Jahren die Erneuerung von Hauskante zu Hauskante vorgenommen hat und so einen einheitlichen Straßen- und Platzraum erzeugt hat. Eine Begrenzung des anstehenden Umbaus auf die öffentlichen Flächen würde einen Flickenteppich im öffentlichen Raum erzeugen.
Leitungserneuerung
Im Rahmen des Projektes erfolgt auch in Teilen eine Erneuerung der Ver- und Entsorgungsleitungen. Die Planung der Leitungserneuerung muss an der Entwurfsplanung orientiert und gemäß dieser abgestimmt werden.
Verkehrskonzept
Das Verkehrskonzept sieht eine deutliche Verkehrsberuhigung für den zentralen Bereich der Hauptstraße und den Kirchplatz vor. Der Kirchplatz und die Hauptstraße nördlich der Kirche sollen vorwiegend dem Aufenthalt, Fußgängern und Radfahrern gewidmet sein und Anliegerverkehre zulassen. Für die östliche Hauptstraße ist mit Anschluss an die südliche Eichenhofstraße ein Einrichtungsverkehr vorgesehen. Die Straße Kirchplatz soll ebenso nur im Einrichtungsverkehr befahrbar sein und ausschließlich nach Westen auf die Hauptstraße abfließen.
Parken
Im Zuge der Umgestaltung werden Parkmöglichkeiten weiterhin bestehen bleiben. Z. T. erfolgt eine Verlagerung und das Angebot an Stellplätzen für Menschen mit Behinderungen wird erhöht. Bestehende private Stellplätze auf (oder teilweise auf) öffentlichen Flächen werden im nahen Umfeld verschoben, wenn eine Verbesserung der stadträumlichen Situation dadurch möglich ist.
Gestaltungskonzept
Insgesamt verfolgt das Projekt das Ziel, eine langfristige Gestaltung zu realisieren, die den historischen Ortskern zu einem vielfältigen Lebens- und Aufenthaltsraum entwickelt.
Prioritäten der Gestaltungsintensität Innerhalb der Bearbeitungskontur werden entsprechend ihrer Bedeutung für das Ortszentrum folgende Bereiche unterschieden:
Zentrale öffentliche Räume: sehr hohe Anforderungen an Aufenthaltsqualität und Gestaltung Kirchplatz und Hauptstraße einschl. Einmündung Eichenhofstraße (bis Bistro Et Matt)
Historische Ortsstraßen: hohe Anforderungen an Aufenthaltsqualität und Gestaltung übrige Teile der Hauptstraße, Straße Kirchplatz, Eichenhofstraße bis Friedhofstraße, Kamper Straße und Kamper Platz
Straßen im Ortszentrum: mittlere Anforderungen an Aufenthaltsqualität und Gestaltung Friedhofstraße und übrige Eichenhofstraße
Die unterschiedliche Einstufung soll sich im Ausstattungsgrad, der Materialwahl und der Detaillierung widerspiegeln.
Beläge und Ausstattung
Das Gestaltungskonzept sieht vor, dass das flächig verlegte Grauwacke-Kleinpflaster in den Gassen durch Streifen aus Grauwacke-Großpflaster gegliedert wird, die vom verbleibenden Autoverkehr als befahrbar gelesen werden. Die gebäudenahen Bereiche werden mit dem wiederverwendeten Grauwacke-Kleinpflaster ausgebildet. Lineare Pflasterrinnen, die sich an der bestehenden Entwässerung orientieren, bieten Leitlinien im Raum. An Aufweitungen und Eingängen in den historischen Kern werden die Streifen unterbrochen, um kleine Platzsituationen zu erzeugen. Räumlich prägend wirken die bestehenden und neuen Bäume. Ausstattungselemente wie Sitzgelegenheiten werden nach Möglichkeit in Einfassungen integriert und verstellen den Raum nicht.
Teilbereich Kirchplatz
Der Kirchplatz bildet den Mittelpunkt von Lindlar und erfordert eine herausgehobene Umgestaltung mit größter Attraktivität.
Die bestehende Situation vor der geschwungenen Natursteinmauer am Kirchenzugang bildet den wertvollsten Platzbereich mit potentiell höchster Aufenthaltsqualität. Dies liegt an der erhöhten Lage, dem Ausblick auf den Platz und der besonnten Ausrichtung nach Südwesten. Um hier ein Verweilen zu ermöglichen, wird entlang der Mauer eine lange, geschwungene Bank errichtet, die auch aufgrund der zukünftigen Verkehrsberuhigung einen attraktiven Aufenthaltsort schafft.
Neuer Attraktor auf dem Kirchplatz wird ein freistehendes Objekt auf der nördlichen Platzfläche vor der Kirche. An der weithin sichtbaren Stelle vor dem Kirchenportal soll ein Anziehungspunkt geschaffen werden und auf die Urgeschichte Lindlars mit den Funden zum ältesten Wald der Welt hingewiesen werden. Ein massiver Grauwacke-Block ist innen ausgehöhlt und verweist so auf Einschlüsse (Geheimnisse) des Gesteins. Optional wäre es möglich, dieses Objekt durch das Element Wasser, z. B. in Form von feinen Wasserdüsen, zu ergänzen. Für den Betrieb muss jedoch eine wetterabhängige Dauerschaltung eingerichtet werden. Entsprechend der Topografie fügen sich zwei Stufen in das Gelände ein, welche das Objekt hervorheben und gleichzeitig einen Anfahrschutz bilden.
Die Aufenthaltsqualität des Platzes wird zudem durch großzügig bepflanzte Baumbeete erhöht. Auf der Nordseite läuft entlang der bestehenden Natursteinmauer ein Streifen von Baumbeeten von Osten in den Platz und bietet eine begrünte Kante. Auf der Westseite entwickeln sich um die bestehenden Baumstandorte zwei großzügige Pflanzflächen, die die Richtung der Straße Kirchplatz aufnehmen und entlang der privaten Grundstücksgrenzen in diesem Bereich verlaufen. Die Pflanzflächen sind mit Einfassungen gerahmt, die auf der Seite des Platzes als Sitzmöglichkeiten ausgebildet sind. Die leicht konischen Formen unterstützen den landschaftlichen Charakter und reagieren auf den unregelmäßigen, topografisch bewegten Platzraum.
Im Rahmen der Neuordnung des ruhenden Verkehrs auf der Westseite werden die beiden privaten Stellplätze vor dem „Bach´s und Bina´s“ auf den Standort der öffentlichen Stellplätze nördlich der KSK Immobilen verschoben. Der private Stellplatz vor dem Gebäude Kirchplatz 7 wird auf die Nordseite des Gebäudes neben die verbleibenden öffentlichen Stellplätze vor der Postfiliale verschoben.
Der Platz erhält einen durchgehenden Belag aus Grauwacke-Kleinpflaster, die stark verkehrsbezogene Dominanz der Fahrbahnen wird zurückgenommen.
Hauptstraße nördlich und östlich der Kirche
Im Kontrast zum offenen Kirchplatz entsteht auf der Nordseite der Kirche ein schattiger „cool space“. Unmittelbar nördlich der Kirche werden die bestehenden Baumbeete vergrößert und neu eingefasst. Auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße werden 6 neue Bäume gepflanzt und entsprechend mit großen Baumbeeten ausgestattet. Der östliche begrünte Kirchhof wird durch Ergänzung eines Baumbeets und eines neuen Baums nach Norden fortgeführt damit die dort bestehende Lücke in der Rasterpflanzung geschlossen wird. Die Erschließung ist durch die 3,50 m breite Fahrgasse gesichert.
Die bestehenden privaten Parkplätze werden erhalten.
Östliche Hauptstraße und südliche Eichenhofstraße
Dieser Bereich des Ortskerns ist durch seinen gassenartigen Charakter gekennzeichnet, der sich in den Großpflasterstreifen widerspiegelt. An der Einmündung der Mühlenseite entsteht vor dem historischen Gebäude der Alten Schmiede eine kleine platzartige Aufweitung als Auftakt in das historische Ortszentrum. Die bisher ungegliederte Pflasterfläche vor dem Gebäude Hauptstraße 31 - 35 wird mit Pflanzflächen und Sitzmöglichkeiten aufgewertet und 2 öffentliche Stellplätze werden ausgewiesen. Auch vor dem Gebäude der BGW (50er-Jahre Apotheke) findet sich ein kleiner Vorplatz. In dem Abschnitt zwischen der Einmündung Eichenhofstraße und der Hauptstraße 21 gibt es zurzeit 9 Stellplätze, von denen einer als behindertengerecht ausgewiesen ist. Mit einer Länge von 5,5 m und weniger entsprechen sie nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Stellplätze werden unter Einbeziehung der südlichen Eichenhofstraße neu geordnet und durch Bäume gegliedert. Es entstehen 9 öffentliche Stellplätze, von denen 2 behindertengerecht ausgestaltet werden. Die privaten Ärzte-Stellplätze bleiben erhalten. Im Umfeld der bestehenden Gastronomien wird es auf der Nordseite der Hauptstraße neue Sitzmöglichkeiten geben. In dem Abschnitt werden insgesamt 6 Bäume neu gepflanzt.
Kamper Platz, westliche Hauptstraße und Kamper Straße
Ziel der Umgestaltung ist es, das große räumliche Potential des Kamper Platzes zu heben. Dazu wird in der Mitte des Platzes eine großzügige Fläche entsiegelt und begrünt. Sie bietet für das Quartier kleinere Spielangebote und bildet einen grünen Trittstein zum nördlich gelegenen Park Plietz.
Die beiden bestehenden Bäume werden durch zwei Neupflanzungen ergänzt. Für die Zufahrt zum Grundstück Brennergasse 7 ist zentral auf der Grünfläche ein Streifen mit Rasenlinern ausgelegt.
Der Parkplatz vor der Reisewelt Lindlar wird an den Platzrand Richtung Bachstraße verschoben. Zudem wird einer der beiden öffentlichen Stellplätze als behindertengerechter Stellplatz an den Südrand des Platzes verschoben. Die privaten Stellplätze bleiben erhalten.
Die westliche Hauptstraße erhält an der Einmündung der Kölner Straße eine platzartige Aufweitung, sodass der bestehende Brunnen besser zur Geltung kommt. Der anschließende Großpflaster-Streifen biegt vor dem Kirchplatz in die Kamper Straße ab. Die bestehenden Baumbeete werden aufgeweitet und nach Möglichkeit mit weiteren Bäumen ergänzt. Durch den Versatz des Pflasterstreifens wird die Verkehrsberuhigung in diesem Bereich unterstützt.
Straße Kirchplatz
Der kurze Übergang von der verkehrstechnisch geprägten Dr.-Meinerzhagen-Straße mit Signalanlage zur historisch geprägten Straße Kirchplatz wird durch die Umlenkung der Asphalt-Fahrbahn zum Parkplatz auf dem Marktplatz gelöst werden. Die Neupflanzung eines Baumes vor dem Café „Schneiders Bäckerei“ unterstützt die Umlenkung und markiert mit dem Großpflasterstreifen den Eingang in den historischen Ortskern. Mit Ende des Pflasterstreifens Richtung Kirche wird der Beginn des Kirchplatzes markiert. Die bestehenden privaten Parkplätze vor Haus 10 bleiben erhalten.
Friedhofstraße und nördliche Eichenhofstraße
Die ausgewachsene prägende Linde auf dem Kreuzungsbereich von Friedhofstraße und Eichenhofstraße erhält ein größeres Baumbeet. Damit entstehen bessere Bedingungen für den Erhalt des z. T. geschädigten Baums. Die Befahrbarkeit ist in der bestehenden Form weiterhin gewährleistet.
Ansonsten ist der frequentierte Bereich um den Norma-Einkaufsmarkt durch die hohe Zahl der dort vorgehaltenen öffentlichen Parkplätze geprägt. Diese sollen stärker begrünt und mit Bäumen ausgestattet werden.
In der Friedhofstraße werden die nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechenden Parkplätze nach heutigen Anforderungen dimensioniert und durch Baumbeete gegliedert. Die bestehenden Zufahrten der Privatgrundstücke und zum Anlieferungsbereich des Normas bleiben erhalten.
In der Eichenhofstraße werden die Längsparkplätze durch Baumstandorte mit Baumbeeten aufgelockert. Insgesamt werden in der Friedhofstraße 8 neue Bäume und in der Eichenhofstraße 6 neue Bäume gepflanzt.
Berücksichtigt man die Situation, dass auf den nur 2,2 - 2,3 m breiten Stellplätzen südlich des Norma in der Regel über zwei Stellplätze geparkt wird, ergibt sich eine Reduzierung der Parkmöglichkeiten von heute ca. 24 auf zukünftig 21, die durch eine bessere Nutzung des Norma-Parkplatzes aufgefangen werden kann. Die Anzahl der Behindertenstellplätze erhöht sich von zwei auf drei.



