Park Plietz
Vorbemerkung
Das Gesamtprojekt „Lindlarer Freiräume – Zirkuläres Bauen und Klimawandelanpassung im öffentlichen Raum“ umfasst acht Realisierungsbausteine. Nach den Freiflächen des Schul- und Kulturzentrums (Baustein 4) ist der nördlich des Ortskerns gelegene Park Plietz der nächste Baustein, der in die Umsetzung gehen soll. Die Planung basiert auf der im Wettbewerblichen Dialog in 2022 entwickelten Gesamtkonzeption, nach der die Bachläufe des Lennefer Bachs und seiner nördlichen Zuflüsse die Grundstruktur bilden, entlang der sich die „Lindlarer Freiräume“ entwickeln. Es entsteht eine Perlenkette unterschiedlicher Freiräume, deren Nutzung von Sport, Freizeit und Erholung über Bildung bis zu stadtökologischer Infrastruktur reichen.
Der Umbau des öffentlichen Raumes sollte der Prämisse folgen, Prioritäten zu setzen. Neben Teilbereichen, die auch heute funktionieren und Aufenthaltsqualitäten besitzen, gibt es Bereiche, die deutliche Defizite aufweisen. Im Sinne einer ressourcenschonenden Planung sollte die Eingriffsintensität entsprechend angepasst werden. Die zwar unspektakulärste, aber effizienteste Maßnahme der Ressourcenschonung liegt im Belassen bzw. in der Nutzungsdauerverlängerung bestehender Anlagen. Der Park Plietz, der Pergolen-Garten am Schulzentrum, aber auch der Freizeitpark sind solche Bereiche. Hier wird behutsam und nah am Bestand gearbeitet, punktuelle Auslichtungen und Ergänzungen sowie eine bessere Anbindung sind hier vorrangig.
Auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses wurde in Abstimmung mit den Fachämtern sowie unter Beteiligung von Anwohnern und Nutzern eine Entwurfsplanung entwickelt, welche die Grundlage des eingereichten Förderantrags bildet.
Das Planungsgebiet
Die sich nördlich des Ortskerns erstreckende öffentliche Parkanlage wird im Norden durch die Bismarckstraße, im Süden durch den Postweg, im Osten durch die Eichenhofstraße und im Westen durch die Kamper Straße begrenzt. Das Planungsgebiet mit einer Größe von ca. 9200 qm umfasst die Flurstücke 559, 156, 21, 22 sowie die Anschlussbereiche an die umgrenzenden Straßen. Die Anlage mit der darin befindlichen Villa wurde ursprünglich um ca. 1900 von den Eheleuten Plietz als „Hauspark“ angelegt. Später wurde die Gemeinde Lindlar Eigentümerin. Nach einer Nutzung der Villa als Kindergarten befindet sich diese heute in Privatbesitz. Das Privatgrundstück, welches mit seinem großzügigen Garten von der Eichenhofstraße in den Park ragt, trennt den Park in einen Nord- und Südteil. Die den Park von Nord nach Süd durchfließenden Bachläufe (ohne eigenen Namen) entspringen in den nördlich gelegenen Steinbrüchen (Eremitage) und sind bis zur Mündung in den Park verrohrt. Im Jahr 2004 wurden die Verrohrung innerhalb des Parks sowie die mit Beton eingefassten Teiche zugunsten eines ökologischen Gewässerumbaus zurückgebaut.
Die sehr naturnahe Parkanlage weist durch den alten Baumbestand, die historische, jedoch nicht denkmalgeschützte Villa sowie die Bachläufe ein hohes Freiraumpotential auf, ist im Ortsgefüge jedoch kaum wahrnehmbar. Die Hauptzugänge von Norden und Süden liegen versteckt, die Seite zur Eichenhofstraße wird durch private Grundstücke bzw. eine steile Böschung geschlossen, und auf der Seite zur Kamper Straße verstellt eine lange Reihe von Senkrecht-Parkplätzen die Zugänge. Das Potential des Parks als zentrumsnaher Naherholungsbereich Lindlars wird nicht ausgeschöpft.
Neben der besseren Einbindung ins Ortsgefüge soll durch die Umgestaltung auch das nördlich der Bismarckstraße liegende T-Areal mit dem neuen Grauwacke-Museum besser an den Ortskern und das übergeordnete Wegenetz angebunden werden. Um Park und Museum auch touristisch attraktiver zu machen, soll ein „Grauwackepfad“ angelegt werden, der den Besuchern einen Einblick in die Geschichte und Bedeutung der Grauwacke sowie der geologischen Besonderheiten Lindlars und der Region geben soll. Er bildet eine sinnvolle Ergänzung zum bereits bestehenden ‚Steinhauerpfad‘ der die Anlage von Ost nach West quert.
Der in die Jahre gekommene Spielplatz sowie die Urban-Gardening-Flächen der Initiative „Essbares Lindlar“ sollen aufgewertet und der Park durch die aktive Einbeziehung unterschiedlicher Nutzergruppen (Bürgerinitiative, Kindergarten, Logopädisches Zentrum an der Kamper Straße, Lindlar Touristik…) in seiner Funktion als gemeinschaftlich genutzter Bürgergarten gestärkt werden. Die heute schon bestehende Bedeutung als Frischluftschneise und „Grüne Lunge“ wird weiterentwickelt und neue Impulse für mehr Biodiversität und die Verbesserung des Artenschutzes werden gesetzt.
Bedeutung der Planung für das städtische Klima
Parkflächen können einen bedeutsamen Einfluss auf die klimatische Situation einer Stadt haben. Während sich innerhalb der Sommermonate über hoch versiegelten und dicht bebauten Flächen relativ hohe Temperaturen ausbilden können, die zu Hitzestress für die Bevölkerung führen, wirken Grünflächen als thermischer Ausgleich und bieten Rückzugsorte während heißer Sommertage. So gewährleistet auch der Park Plietz mit seinen Grün- und Freiflächen eine günstige thermische Situation. Durch seine zentrumsnahe Lage ist er als Erholungsort für die Bevölkerung Lindlars besonders geeignet. Im Rahmen der behutsamen Erneuerung des Bestands wird diese Funktion erhalten und weiter gestärkt. So sorgen die entsiegelnden Maßnahmen dafür, dass sich die Oberfläche weniger stark aufheizt. Der derzeitige Baumbestand sowie neue Baumpflanzungen bieten schattige Flächen für die Parkbesucher. Durch Trittsteine am Bachlauf wird der Zugang zu den kühlen Wasserflächen erleichtert.
Gestaltungskonzept / Nutzungsbereiche
Die Aufwertung des Park Plietz zu einem einladenden, multifunktional nutzbaren Bürgergarten entwickelt sich nahe an der Bestandssituation, greift vorhandene Qualitäten des Ortes auf und entwickelt diese weiter. Im Sinne des zirkulären Bauens werden vor Ort vorgefundene Materialien und Ausstattungselemente zu großen Teilen weiter- bzw. umgenutzt. Im Norden und Süden des Parks entstehen zwei kleinere Eingangsplätze, ausgestattet mit Info-Elementen und Fahrradständern. Sie bilden den Auftakt für den Park durchlaufenden Fußweg.
Findlinge, Sitzquader und Trockenmauern aus Grauwacke bilden weitere thematische Gestaltungselemente. Ein dritter Eingangsplatz befindet sich an der Kamperstraße in der Nähe des Logopädischen Zentrums.
Der vorhandene Schotterweg wird zum Grauwacke-Pfad zwischen Ortskern und Museum aufgewertet. Er erhält eine Einfassung aus gebrauchtem Grauwacke-Kleinpflaster und einen Belag aus Grauwacke-Schotter. Bis zum Spielplatz und der Villa Plietz ist er für Anwohner und Pflegefahrzeuge befahrbar, danach verläuft er als reiner Fußweg.
Im Norden des Parks wird ein bestehender ‚Trampelpfad‘ zu einer kleinen Wegschleife ausgebaut, die eine barrierearme Umgehung der gewölbten Brücke über den Bach ermöglicht.
Der bestehende Spielplatz wird unter Einbeziehung des vorhandenen Kletterturms zu einem naturnahen Spielbereich umgestaltet. Spielelemente aus Holz, wie ein Kletterparcours, Baumstammtische und ein unterfahrbarer Sandspieltisch, werden durch Findlinge ergänzt, die zum Klettern und Balancieren anregen.
Nördlich des Spielplatzes mussten sieben geschädigte Tannen bereits im Vorfeld gefällt werden. Die Stämme wurden in einer Höhe von ca. 5 m abgesägt. Im Zuge des Umbaus sollen sie nun in ca. 50 cm Höhe gekappt und in die neuen Totholzhecken auf der südlichen Wiese integriert werden. Um die Stumpen entsteht ein leicht erhöhtes Magerbeet, eingefasst von Bruchsteinen und umfahren von einem Barfuß-Pfad aus natürlichen, für den Ort typischen Materialien.
Die Flächen der Initiative ‚Essbares Lindlar‘ werden aufgewertet und um Hochbeete ergänzt, die auch vom benachbarten Kindergarten genutzt werden können. Nach Bedarf können die bewirtschafteten Flächen noch nach Osten erweitert werden.
Die bestehenden Senkrechtstellplätze an der Kamper Straße werden bis auf einen Stellplatz erhalten, es bietet sich an dieser Stelle jedoch die Chance zu einer Entsiegelung befestigter Flächen, indem nicht mehr benötigte Betonplattenbeläge entfernt und Asphaltflächen durch versickerungsoffene Beläge aus Rasenlinern ersetzt werden. Zwei gut auffindbare Zugänge mindern die bisherige Barrierewirkung der Stellplätze.
Verbesserung der Biodiversität / Gewässermodellierung
Ergänzende Pflanzungen mit heimischen, dem Klimawandel besser angepassten Gehölzen und Stauden, die Umwandlung von Rasenflächen in Wildblumenwiesen mit Totholzhecken, die partielle Ausweitung der Auenflächen links und rechts des Bachlaufs sowie der neue Magerstandort tragen zu einer Verbesserung der Biodiversität des Parks bei. Am Bachlauf selbst gibt es an zwei Stellen behutsame Eingriffe, welche dem Bach durch Böschungsabflachungen mehr Raum geben. Findlinge und Trittsteine sorgen bei Starkregenereignissen für einen verzögerten Abfluss und ermöglichen punktuell einen besseren Zugang – zum einen als Spiel- und Naturerfahrungsangebot für Kinder, zum anderen, um der Bürgerinitiative die Wasserversorgung ihrer Gärten zu erleichtern.
Im Süden des Parks mündet der Bach in ein Einlaufbauwerk und wird von dort verrohrt unter dem Ortszentrum hindurchgeführt, bis er südlich des Ortskerns in den Lennefer Bach mündet. Auch wenn im Zuge der Renaturierung von 2004 davon ausgegangen wurde, dass bei extremen Niederschlagsereignissen durch die temporäre Ausbreitung des Gewässers in die unbebaute Parkfläche ein schadloser Abfluss möglich ist, sollte zukünftigen Starkregenereignissen im Zuge der Klimawandelanpassung Rechnung getragen werden. Der um das Einlaufbauwerk angeschüttete Deich wird daher erhöht, um die südlich angrenzende Bebauung auch in Zukunft besser zu schützen.
Zirkuläres Bauen
Grundgedanke des Projektes ist es, möglichst viele Materialien und Ausstattungselemente vor Ort weiter- und umzunutzen.
Bei den bestehenden Schotterwegen sollen die obersten 10 - 12 cm Schotter abgezogen und aufbereitet werden, so dass er als Unterbau bei den weniger beanspruchten Wegen im Norden wieder eingebaut werden kann:
Der Hauptweg erhält dann eine Tragschicht aus Grauwacke-Mineralgemisch 0/32 (10 cm) mit einer Abstreuung aus Grauwacke-Split 8/16 (2 cm) und einer Einfassung mit einem Zweizeiler aus gebrauchter Grauwacke. Bei den untergeordneten Wegen werden am Schulzentrum ausgebaute Betonsteine als Einfassungen wiederverwendet. An der Kamper Straße wird bei den Stellplätzen die Asphaltdecke durch Rasenfugenpflaster ersetzt und Flächen teilweise entsiegelt. Nicht mehr benötigte Rasengitterplatten bilden die Sauberkeitsschicht unter der neuen Sandfläche des Spielbereichs. Der dort ausgebaute Sand kann für die Neuanlage des Magerstandorts wiederverwendet werden. Vorhandene Ausstattungselemente wie Bänke, Papierkörbe und Infotafeln werden aufgearbeitet und wieder eingebaut. Der bestehende Kletterturm kann in den neuen Kletterparcours integriert werden, die übrigen Spielgeräte (Schaukel, Karussell) werden demontiert und finden an anderer Stelle im Ortsgebiet einen neuen Platz. Die Umsetzung soll unter Einbeziehung des Bergischen Kompetenzzentrums :metabolon erfolgen, um hier Möglichkeiten des Materialrecyclings zu nutzen bzw. z. B. im Bereich der Eingangsplätze innovative Materialien oder Produkte einzusetzen und auszustellen.
Die im Park belassenen, wieder oder neu eingesetzten Materialien sind die Rohstoffquelle von morgen. Aufgrund dessen ist es besonders wichtig, neben dem Einbau der Materialien auch deren Position, deren Menge und deren Beschaffenheit zu kennen. Für die zukünftige Entwicklung des zirkulären Bauens wird ein Rohstoffkataster angelegt, in dem die urbanen Rohstoffe kartiert werden. Zukünftige Projekte können im Hinblick auf zirkuläres Bauen so noch besser geplant und umgesetzt werden.
Des Weiteren wird die dynamische Rohstofferfassung während der Nutzungsdauer der Freiräume betrachtet. Für Rohstoffe aus anthropogenen Stoffkreisläufen (z. B. wertstoffhaltige Abfälle) und phytogenen Stoffkreisläufen (z. B. Grünschnitt) werden Erfassungs- und Verwertungskonzepte erstellt.
Durch ein Gesamtpaket für sich jeweils kleinerer, bestandsorientierter Maßnahmen entsteht aus der wenig genutzten Grünanlage ein multifunktionaler, in das Ortsgebiet gut integrierter Bürgergarten, der eine wichtige Funktion im Rahmen der Klimawandelanpassung Lindlars einnimmt.



